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Ist der Hund ein Rudeltier?

  • Beitrags-Kategorie:Erziehung
  • Beitrags-Kommentare:2 Kommentare
  • Lesedauer:5 min Lesezeit

Ein Hund braucht viel Sozialkontakt mit Artgenossen, das hört man immer wieder. Doch Achtung, der Hund ist eigentlich kein Rudeltier: Sein wichtigster Sozialkontakt ist der Mensch.

Auf Hundeplätzen werden immer noch verschiedenste Übungen in der Gruppe kreiert, die zur Sozialisierung dienen sollen: Da werden Hunde nebeneinander ins Platz oder Sitz kommandiert, damit ein Artgenosse an kurzer Leine von Herrchen oder Frauchen an vorbeigeführt werden kann.

Und am Schluss der Stunde heisst es, zur vermeintlichen Freude der Vierbeiner «Leinen los». Dies hat aber mit sozial, Sozialisierung oder Alltagstauglichkeit wenig bis gar nichts zu tun.

Das menschliche Denken

Das menschliche Denken über den Hund ist noch mit dem Wolfsmythos und Rudelvorstellungen behaftet. In der Realität leben Hunde selten in Gruppen, sondern einzeln, zu zweit oder zu dritt – bei uns in Mitteleuropa im Haushalt und in anderen Ländern auf der Strasse. Sehr selten teilen sie ihr Leben im Rudel, das heisst im Verbund verwilderter Haushunde, die sich zusammengefunden haben.

Wie viel Sozialkontakt ein Hund braucht hängt von verschiedenen Faktoren wie Erfahrung, Erziehung, dem Charakter, dem Alter oder der Rasse ab. Unsere Hunde haben keine Möglichkeit, selber zu entscheiden ob sie Sozialkontakt möchten oder nicht.

Mein Hund muss sich noch sozialisieren!

Wir Menschen vergessen oft, dass wir auch nur mit ausgewählten Personen Sozialkontakt pflegen. Wir zwingen unsere Hunde mit jedem anderen Hund zu spielen. Wenn wir jemanden treffen, heisst es vielfach: «Lass uns ableinen». Haben wir Menschen nicht eine seltsame Vorstellung von Sozialkontakt?

Wenn Du genau auf die Körpersprache achtest, würden viele Hunde, Artgenossen aus dem Weg gehen, dies ist aber nicht möglich, da wir Sie mit der Leine daran hindern. Der erste Kontakt erfolgt bei Hunden zuerst auf Distanz, dann über Geruch, Sicht und Gehör. Der direkte Kontakt kommt erst am Schluss.

Mein Welpe muss so viel wie möglich spielen

Die weit verbreitete Meinung, dass Welpen oder Junghunde so viel Kontakt wie möglich zu anderen Welpen haben müssen, ist ein Irrglaube. Wir alle möchten doch einen Hund der sich an uns Menschen orientiert, aber gleichzeitig bringen wir unserem Welpen bei, dass andere Hunde viel spannender sind, indem wir ihn fast zwingen mit seinesgleichen zu spielen. Der Aufbau einer guten Beziehung zu uns Menschen ist doch erstrangig und ich sage nicht, dass dein Hund nicht mit anderen Hunden spielen darf. Ein angemessener Kontakt zu Erwachsenen Hunden ist viel wichtiger als das herumtollen mit Gleichaltrigen.

Was wir beobachten und als vermeintliches Spiel gilt, ist mehrheitlich das Üben und festigen von Jagen, Hüten und Treiben. Sind nicht genau diese Verhaltensweisen in unserer Gesellschaft unerwünscht?

Der Sozialkontakt sollte immer auf freiwilliger Basis stattfinden, zwinge deinen Hund niemals zu einem Kontakt, wenn er das nicht möchte. Wenn ein anderer Hund höflich und rücksichtsvoll ist, macht dies auch Sinn. Sozialkontakt sollten Hunde nur dann haben, wenn Sie sich kennen, sich vertrauen und wohlgesinnt sind.

Aber mein Welpe muss noch lernen zu kommunizieren

Dein Welpe lernt in der Sozialisierungsphase mit seinen Geschwistern und der Mutter die Hundesprache. Vieles ist auch genetisch festgelegt und muss nicht erlernt werden. Die sogenannten Welpenspielgruppen sind nicht förderlich. Suche dir lieber ein oder zwei Hundefreunde, wo sich dein Welpe auch wohlfühlt und die Kommunikation und das Verhalten von einem souveränen Erwachsenen Hund lernt. Von Welpen lernt er sicherlich nicht viel, ausser Blödsinn.   

Hundewiesen sind purer Stress für viele Hunde

Wenn du die sogenannten «Hundewiesen» besuchst ist Vorsicht am Platz. Wenn sich bis zu zwei Dutzend Hunde, die sich kaum kennen, auf eingezäuntem Terrain miteinander bewegen müssen, sieht es vielleicht harmlos aus. Für jene Hunde die sich aber bedroht, gemobbt und unwohl fühlen ist dies purer Stress. Auf diese Weise erlernt dein Hund neben Flucht-, und Verteidigung auch Angriffsstrategien. Beissvorfälle passieren erst später, nämlich dann, wenn sich der aufgebaute Stress entlädt. Hundewiesen können ein Auslöser für ungewollte Aggressionen sein.

Für deinen Hund sind massvolle Sozialkontakte, wo er neben einem anderen Hund hergehen oder schnüffeln kann viel wichtiger als Rennspiele. Es muss immer möglich sein, dass dein Hund sich selber herausnehmen kann. Achte auf das Ausdrucksverhalten dies zeigt dir, wenn du dabei helfen oder die Lage entschärfen musst. Darum gilt es immer, die Beobachtungsfähigkeit zu schulen.

Denk immer daran, dass die Situation für deinen Hund besser abschätzbar ist, wenn nur zwei Hunde in Kontakt treten. Ein Hund würde sich niemals freiwillig zu Sozialisierungsübungen mit einer Gruppe treffen.

Zum Schluss machen wir noch einen Vergleich mit einem Wolfsrudel: Hast du jemals gehört, dass ein Wolfsrudel zu einem anderen geht und sagt: Ich will nur mal kurz Hallo sagen? Natürlich kann man nicht alle Verhaltensweisen vom Wolf auf den Hund übernehmen. Aber denk immer daran du und dein Hund, ihr seid ein Rudel, fremde Hunde sind sozusagen Eindringlinge.

Wir Menschen müssen umdenken und von der Vermenschlichung wegkommen. Ein Hund ist kein Rudeltier, der einzige Sozialkontakt den er braucht ist der Mensch.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Raymond

    Hallo Laura

    Dank deiner Hilfe und Fachkompetenz verstehen sich mein Hund und ich soooo viel besser. Spaziergänge sind jetzt ein wahres Vergnügen.

    Nochmals vielendank

    1. admin

      Hallo Raymond
      Ich danke dir für deinen netten Kommentar und dein Vertrauen. Ich helfe natürlich immer gerne, da wo ich kann und freue mich, dass ihr so ein tolles Team geworden seid.

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